Abbildung: Solera-Verfahren

Das Solera-Verfahren – was ist das?

Wer gerne Sherry, Brandy oder Rum trinkt und darüber hinaus ein wenig genauer für diese Spirituosen interessiert, hat sich vielleicht auch schon einmal mit den diversen Herstellungs- und Lagerungsverfahren auseinandergesetzt. Dabei ist dem ein oder anderen unter Umständen bereits der Begriff Solera-Verfahren begegnet. Hierbei handelt es sich nicht nur um eine spezielle Art der Lagerung und Abfüllung, sondern auch um eine recht komplexe Angelegenheit – zumindest in der trockenen Theorie. Was genau das Solera-Verfahren beinhaltet und wie es funktioniert? Finden Sie es im folgenden Beitrag heraus!

Das Solera-Verfahren – Ursprung und Geschichte

Angefangen hat alles mit dem Rum, dem Sherry und dem Wein. Oder, um noch ein wenig weiter auszuholen, mit der Entdeckung Amerikas durch die Spanier. Nach einigen „Startschwierigkeiten“ wurden die spanischen Kolonien in Südamerika autarker, also selbstständiger, was sich unter anderem im Weinbau niederschlug, der auch in der Neuen Welt immer beliebter wurde. Bereits im 18. Jahrhundert gab es den Export, der aber durch wiederkehrende militärische Auseinandersetzungen zwischen vor allem den Spaniern und Engländern wiederholt ins Stocken kam. Die Folge: Die Weinhändler saßen auf ihren Beständen fest, ein Vermischen der Weine war aber von Seiten der Winzergilden streng verboten. Und damit war ein Dilemma geschaffen.

Wie also dieses lösen? Durch Beharrlichkeit und Innovation. Und so wurde es den Händler 1755 erlaubt, die alten Lagerbestände mit jüngere Weinen zu vermischen – und damit waren die Anfänge des Solera-Verfahrens gelegt, das in der Folge vor allem bei der Herstellung von Sherry und Brandy, heute beispielsweise beim Lepanto Brandy de Jerez Solera Gran Reserva, eine wichtige Rolle spielen sollte.

Das Solera-Verfahren im Detail

Wie erwähnt, handelt es sich bei diesem Verfahren um eines der kompliziertesten in der Sherry-, Brandy- und auch Rum-Herstellung. Das liegt unter anderem an den folgenden Faktoren:

  • Man muss wissen, wie viel von welchem Fass abgefüllt werden soll und muss
  • Man muss wissen, in welches andere Fass dieser Teil abgefüllt werden muss
  • Man muss wissen, wann der richtige Zeitpunkt für die Abfüllung erreicht ist

Basierend auf diesem Wissen, können dann anschließend die jeweiligen Spirituosen für die endgültige Lagerung miteinander verblendet werden. Wie sich das genau gestaltet, versuchen wir nun, vereinfacht zu erklären.

Stellen Sie sich folgendes Lagerhaus für beispielsweise den Ron Zacapa 23 Sistema Solera Rum oder auch den Ron Matusalem Gran Reserva 15 Solera vor:

Hier lagern mehrere Reihen Fässer übereinander, mindestens drei, manchmal aber auch deutlich mehr. Die unterste dieser Fassreihen wird Solera genannt – daher auch der Name des Verfahrens. Die Fässer, die sich darüber stapeln, werden wiederum Criaderas genannt, was so viel wie „erziehen“ bedeutet.

Nun wird der Rum oder auch Sherry, der in die Abfüllung und damit in den späteren Verkauf geht, immer aus der Solera-Reihe entnommen.

Wichtig: Dabei wird immer nur ein Drittel des gesamten Fassinhaltes entnommen, zwei Drittel bleiben demnach im Fass und wird mit einem Drittel aus einem Fass der Criaderas-Reihe wieder aufgefüllt.

Und so geht es fröhlich weiter, denn jede Reihe muss aus der sich jeweils darüber befindlichen Reihe ebenfalls wieder aufgefüllt werden. Was mit den Fässern der obersten Reihe  geschieht? Diese werden mit jungem und verstärktem Wein beziehungsweise Rum aufgefüllt.

Das Ergebnis: Die jungen Weine wandern somit von oben nach unten, frischt dabei nicht nur die älteren Weine auf, sondern nimmt auch gleichzeitig deren Aromen an und auf.

Welche Bedeutung hat das für die jeweilige Spirituose?

Dieses Verfahren, das nicht nur komplex ist, sondern auch jede Menge Fingerspitzengefühl und Knowhow voraussetzt, hat für das fertige Endprodukt natürlich eine spezielle Bedeutung – sonst wäre das Solera-Verfahren ja auch nicht so besonders.

Zum einen verleiht das Blenden der einzelnen Sherrys oder Rums den Spirituosen einen ganz besonderen und feinen Geschmack. Zum anderen kann durch dieses Verfahren gewährleistet werden, dass die Qualität von Sherry, Rum und Co. immer gleichbleibend ist.

Einzige Einschränkung: Der Geschmack soll zwar so gleich wie möglich bleiben, wird aber wohl nie von Flasche zu Flasche immer der Gleiche sein – und das ist ja auch das Schöne an Blended Spirits und Weinen.

Möchten Sie nun wissen, in welchen Rums und Sherrys Sie dieses Solera-Verfahren einmal selber aus“tasten“ können? Dann schauen Sie doch einfach einmal in unserem Shop vorbei – denn hier finden Sie nicht nur die oben genannten Rums, sondern auch den ein oder anderen köstlichen Sherry und Brandy, der ebenfalls mit dem Solera-Verfahren hergestellt wurde.

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